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Lange Reihen blühender Lavandinpflanzen auf rotbraunem Kalkboden bei Brihuega in der spanischen Hochebene La Alcarria
Wissen

Lavandin vs. Lavendel: Unterschied, Duft & Inhaltsstoffe erklärt

8 Min. Lesezeit 1.423 Wörter

Lavandin und Lavendel klingen nach derselben Pflanze. Sind sie nicht. Die eine ist ein Elternteil der anderen, und was am Ende in der Flasche steht, riecht messbar verschieden.

Wir verkaufen Lavandin, nicht echten Lavendel. Hier steht, was der Unterschied ist, woher unser Öl kommt, und was wir über die beiden ausdrücklich nicht behaupten.

Auf einen Blick
  • Eine Kreuzung, kein Ersatz: Lavandin entsteht aus echtem Lavendel und Speiklavendel, dort wo beide nebeneinander wachsen
  • Steril: Lavandin setzt keinen keimfähigen Samen an, jede Pflanze ist ein Steckling
  • Ertrag: ein Hektar echter Lavendel gibt rund 15 Kilogramm Öl, ein Hektar Lavandin rund 100
  • Der messbare Unterschied ist Kampfer: rund 7 Prozent in Lavandin, unter 1,2 in echtem Lavendel
  • Unsere Herkunft: La Alcarria, eine Hochebene östlich von Madrid, Sorte Grosso

Zwei Eltern, ein Kind

Echter Lavendel heißt botanisch Lavandula angustifolia. Er wächst in Höhen zwischen 600 und 1.400 Metern.

Weiter unten, zwischen 300 und 800 Metern, wächst sein Verwandter: der Speiklavendel, Lavandula latifolia. Auf Spanisch heißt er espliego. Merk dir den Namen, er kommt gleich nochmal.

Nahaufnahme von echtem Lavendel: jeder Stiel trägt eine einzelne, unverzweigte Blütenähre
Echter Lavendel, Lavandula angustifolia: einfache, unverzweigte Stiele. Foto: Joanna Boisse, CC BY-SA 4.0
Nahaufnahme von Speiklavendel mit blass-lila, locker unterbrochenen Blütenquirlen auf langem Stiel
Speiklavendel, Lavandula latifolia, spanisch espliego. Foto: Teresa Grau Ros, CC BY-SA 2.0

Dazwischen liegt ein schmaler Streifen, ungefähr 500 bis 800 Meter hoch, in dem beide nebeneinander vorkommen. Dort tragen Bienen Pollen von der einen zur anderen Art. Was daraus wächst, ist Lavandin: Lavandula × intermedia. Das Kreuz im Namen ist kein Zierrat, es steht für Hybrid.

Und jetzt wird es kurios. Die beiden Elternarten haben unterschiedlich viele Chromosomen. Ihr Nachkomme kann deshalb keinen keimfähigen Samen bilden. Lavandin ist steril.

Ein Feld, eine Pflanze

Ein Lavandinfeld ist genau genommen eine einzige Pflanze, tausendfach geschnitten. Weil Lavandin keinen Samen ansetzt, wird jede Pflanze als Steckling vermehrt. Die endlosen violetten Reihen, die man aus der Provence kennt, sind genetische Zwillinge.

Warum es Lavandin überhaupt gibt

Die Antwort ist unromantisch: Ertrag.

Der Anbau im großen Stil begann nach dem Ersten Weltkrieg. 1920 führte Professor Claude Abrial die erste Sorte ein, sie trägt bis heute seinen Namen. 1972 kam Grosso dazu, die inzwischen meistangebaute Sorte, und die, die auch bei uns in der Flasche ist.

Warum sich das durchsetzte, sagen die Zahlen des französischen Landwirtschaftsministeriums: Ein Hektar echter Lavendel liefert rund 15 Kilogramm Öl. Ein Hektar Lavandin rund 100.

Anschaulicher wird es beim Destillieren. Für einen Liter Lavendelöl braucht es etwa 100 Kilogramm Blüten. Für einen Liter Lavandinöl etwa 40.

Was das im Maßstab bedeutet, zeigt die französische Ernte 2023: 1.550 Tonnen Lavandinöl standen 90 Tonnen Lavendelöl gegenüber. Nach Anbaufläche macht Lavandin knapp drei Viertel aus. Nach Ölmenge fast 95 Prozent.

Wer also in der Provence durch ein blühendes Feld fährt und „Lavendel“ denkt, fährt mit ziemlicher Sicherheit durch Lavandin.

Der Unterschied, den man riecht

Zwei Stoffe tragen den Duft, und die stecken in beiden Ölen in ähnlicher Größenordnung: Linalool und Linalylacetat. Der Unterschied liegt an einem dritten.

Kampfer.

Lavandin, Sorte Grosso

Linalool34,3 %
Linalylacetat27,2 %
Kampfer7,2 %
1,8-Cineol5,7 %

Echter Lavendel

Linalool20 bis 45 %
Linalylacetat25 bis 46 %
Kampferunter 1,2 %
1,8-Cineolgering

Lavandin: Mittelwerte aus 215 untersuchten spanischen Ölen der Sorte Grosso. Echter Lavendel: Spannen nach ISO 3515.

Die Werte für Lavandin stammen aus einer spanischen Untersuchung, die 215 Öle der Sorten Grosso und Super analysiert hat. Also genau die Öle, um die es hier geht.

Kampfer ist das, was man als kühlen, klaren Zug wahrnimmt. Die ISO-Norm beschreibt den Duft von echtem Lavendel als „charakteristisch, frisch-blumig, an die blühenden Triebspitzen der Pflanze erinnernd“. Lavandin hat diese blumige Seite auch. Darüber liegt aber etwas Frisches, fast Krautiges.

Weicher und süßer ist der eine. Klarer und frischer der andere. Das ist ein Unterschied, kein Rangunterschied.

Woher unser Lavandin kommt

Aus La Alcarria, einer Hochebene östlich von Madrid, in der Provinz Guadalajara.

Guadalajara ist mit rund 2.200 Hektar die größte spanische Anbauprovinz für Lavendel und Lavandin, die Region Castilla-La Mancha stellt gut die Hälfte der spanischen Fläche. Gewachsen ist das schnell: 2009 baute ganz Spanien auf 1.600 Hektar an, 2021 waren es 7.200.

Und hier kommt espliego zurück. Der Honig aus La Alcarria trägt seit 1996 eine geschützte Ursprungsbezeichnung, und eine seiner drei Sorten ist der Espliego-Honig, gesammelt am wilden Speiklavendel der Region.

Damit schließt sich der Kreis: La Alcarria ist eine Landschaft, in der beide Eltern des Lavandin zu Hause sind.

Ehrlich gesagt

Eine Sache verschweigen wir nicht. Die internationale Norm für Lavandinöl heißt im Original „Oil of lavandin Grosso, French type“. Sie ist auf Südfrankreich geeicht. Spanisches Lavandin weicht in einzelnen Werten davon ab. Die Autoren der spanischen Untersuchung schreiben dazu ausdrücklich, solche Abweichungen sollten nicht dazu führen, ein Lavandinöl als minderwertig anzusehen. Unser Öl weicht von einer französischen Norm ab, weil es nicht aus Frankreich ist. Das ist Geografie, kein Mangel.

Und im Diffuser?

Hier hören die Fakten auf, und das sagen wir lieber, als uns etwas auszudenken.

Zu der Frage, wie sich Lavandin und echter Lavendel im Raum verhalten, ob eines also weiter trägt, länger hält oder weniger Tropfen braucht, gibt es keine belastbare Untersuchung. Wir haben gesucht. Es gibt sie nicht. Wo im Netz trotzdem genaue Tropfenzahlen stehen, hat sie jemand geschätzt.

Was sich sagen lässt, kommt aus der Zusammensetzung: Mehr Kampfer und mehr Cineol heißen, dass die frische, klare Seite deutlicher hervortritt. Ob dir das lieber ist als die weichere, süßere Variante, ist Geschmack, und den kann dir niemand ausrechnen.

Also: ausprobieren, niedrig anfangen, gut lüften.

Warum bei uns Lavandin draufsteht

Weil Lavandin drin ist.

Das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Der Weltmarkt für Lavendelöl gilt als anfällig für Beimischungen, und Untersuchungen finden immer wieder Lavandin in Ölen, auf denen echter Lavendel steht. Ausgerechnet der Kampfer ist dabei der Marker, an dem Labore es bemerken.

Wir umgehen die Frage, indem wir sie gar nicht erst entstehen lassen. Was in der Flasche ist, steht auf der Flasche. Was in der Charge steckt, ist per GC/MS-Herstelleranalyse dokumentiert und über die Drops DNA per QR-Code abrufbar.


Sicherheit

Bevor du loslegst

Gut zu wissen
AnwendungNur zur Raumbeduftung, nicht einnehmen, nicht auf die Haut.
RücksichtVon Kindern und Haustieren fernhalten. Bei Kindern unter drei Jahren besser ganz verzichten, besonders Eukalyptus und Pfefferminze. Bei Schwangeren, Asthma und empfindlichen Personen sparsam und gut lüften.
HaustiereEukalyptus, Pfefferminze und Zitrusöle können Katzen zusetzen. Mit Tieren im Raum sparsam.
BetriebGut lüften, im Intervall statt im Dauerbetrieb.

Alle gesetzlichen Pflichtangaben stehen auf der jeweiligen Produktseite.

Häufige Fragen zu Lavandin vs. Lavendel

Ist Lavandin dasselbe wie Lavendel?

Nein. Lavandin (Lavandula × intermedia) ist eine eigenständige Hybridpflanze aus der Kreuzung von echtem Lavendel und Speiklavendel. Andere Botanik, andere Inhaltsstoffe, anderer Duft.

Ist Lavandin schlechter als echter Lavendel?

Nein, er ist anders. Lavandin enthält mehr Kampfer, das macht den Duft frischer und klarer. Echter Lavendel ist weicher und süßer. Welchen man lieber mag, ist Geschmack.

Warum ist Lavandin günstiger als echter Lavendel?

Weil ein Hektar davon rund 100 Kilogramm Öl liefert und ein Hektar echter Lavendel rund 15. Der Preisunterschied kommt aus dem Ertrag, nicht aus der Qualität.

Riecht Lavandin wie Lavendel?

Ähnlich, aber nicht gleich. Beide sind eindeutig als Lavendelduft erkennbar. Lavandin hat durch den Kampfer einen frischeren, kühleren Zug. Wer den Duft aus der Provence im Kopf hat, hat übrigens meistens Lavandin in der Nase.

Woher kommt euer Lavandin?

Aus La Alcarria in Spanien, einer Hochebene östlich von Madrid in der Provinz Guadalajara. Es ist die größte Anbauregion des Landes. Die Sorte ist Grosso.

Quellenangaben

Ortiz de Elguea-Culebras, G. et al. (2024). Essential oils of lavandin (Lavandula x intermedia) of Spain: A case study on clones Grosso and Super. Journal of Applied Research on Medicinal and Aromatic Plants, 41, 100550.

Pokajewicz, K. et al. (2023). Lavandula × intermedia. A Bastard Lavender or a Plant of Many Values? Part I. Molecules, 28, 2943.

Filippi, J. J. et al. (2006). Chemical variability of Lavandula ×intermedia Emeric ex Loisel. essential oil. Flavour and Fragrance Journal, 21(1), 85-91.

Ministère de l’Agriculture et de la Souveraineté alimentaire (2023). La lavande, emblème de la Provence.

CIHEF / Chambres d’agriculture France (2024). La production de lavande et lavandin en France.. ISO 3515:2002, Oil of lavender. ISO 8902:2009, Oil of lavandin Grosso, French type.

Bildnachweis

Lavandinfelder bei Brihuega: Foto Vilanchelo, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.. Echter Lavendel: Foto Joanna Boisse, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.. Speiklavendel: Foto Teresa Grau Ros, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons.

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